
Wenn sich die sächsischen Schüler am 24. August 2000 auf den Weg in ihre jeweiligen Schulen zum Start des Schuljahres 2000/2001 begeben, wird dies für die Mehrheit von ihnen ein gewohnter Weg in bekannte Gegebenheiten sein.
Grundlegend anders wird dieser Weg für über 500 Schüler in Auerbach, die an diesem Trag erstmals ihren Fuß über die Schwelle der "neuen" Seminarschule setzen werden.
Nach 2-jähriger Bauzeit zieht in das stattliche Schulgebäude oberhalb des Schlossberges wieder Leben ein. Mit der Wiedereröffnung dieser Bildungseinrichtung setzt die Stadt Auerbach konsequent ihren Weg zur Absicherung bester Bedingungen für die Schulen fort. Bereits zur Jahrhundertwende und danach galt Auerbach als „Schulstadt“, in der zahlreiche Lehranstalten vertreten waren.
Die Eröffnung unserer Mittelschule im bereits 1878 eingeweihten Gebäude des damaligen Königlichen Lehrerseminars ist ein Meilenstein in der Auerbacher Schulgeschichte.
Man stellt mit der Eröffnung der Mittelschule an diesem Ort einen Schulterschluss zwischen der Geschichte, der Gegenwart und der Zukunft her, indem in diesem geschichtsträchtigen Gebäude heute unsere Jugend auf die modernste Weise unterrichtet wird und somit zukünftige, noch nicht absehbare Herausforderungen meistern kann.
Wenn in der aktuellen Diskussion zu Problemen an sächsischen Schulen immer wieder von der materiellen Ausstattung die Rede ist, so ist dies für unsere Schule nicht zutreffend. In modernsten Fachkabinetten – gleich ob z.B. für Chemie, Informatik oder Kunst - werden die Schüler auf ihre zukünftigen Aufgaben vorbereiten. Die hier entstandenen Bedingungen sind beispielhaft und geben den Lehrkräften den nötigen Freiraum für die inhaltliche Arbeit.
Erster Schwerpunkt der Arbeit an der Schule wird die Integration der derzeitigen Auerbacher Diesterweg-Mittelschule und der Mittelschule Hinterhain in die Seminarschule sein. Die beiden 1992 mit jeweils einer Außenstelle entstandenen Mittelschulen bilden den personellen Bestand der Seminarschule. Da die beiden Schulen bereits langfristig in die Planungs- und Bauphase einbezogen waren, entspricht die Schule den Erfordernissen ihrer „Bewohner". Die enorme Verbesserung der Lern- und Arbeitsbedingungen gegenüber den derzeit bestehenden Verhältnissen muss nicht extra hervorgehoben werden.
Ein großes und herzliches Dankeschön gilt deshalb allen an der Umsetzung dieser Maßnahme Beteiligten, insbesondere den Verantwortlichen der Stadtverwaltung mit dem Oberbürgermeister an der Spitze, den Stadträten, den Bauplanern, der Bauleitung und den jeweiligen Bauarbeitern sowie den unzähligen Helfern und Ideengebern. Nach der Eingewöhnungsphase muss es für Schüler und Lehrer aber sehr schnell zur eigentlichen Arbeit, der Bildung und Erziehung der uns anvertrauten Schüler, übergehen. Mehr als irgendwo anders müssen sich die modernen Bedingungen auch in modernen Unterrichtsformen wiederfinden.
Die Schule muss sich den aktuellen Herausforderungen stellen und die Schüler entsprechend ihrer mitgebrachten Voraussetzungen optimal auf die Anforderungen des späteren Lebens vorbereiten. Wenn man in Deutschland immer mehr den Wandel zur Dienstleistungsgesellschaft vollzieht, darf dies um die Schule keinen Bogen machen. Auch wir als Schule müssen uns als eine Einrichtung verstehen, deren Dienstleistung die Wissens- und Wertevermittlung an den Schülern ist. Das dies nicht von oben herab, sondern nur im konstruktiven Miteinander von Schule, Schüler und Elternhaus möglich ist, versteht sich von selbst. Ohne auf die erzieherischen Werte verzichten zu wollen, müssen die Selbständigkeit bei der Lösung von Problemen und die Teamfähigkeit das Ziel der Ausbildung werden. Nur Schüler mit eigener Meinung, eigenen Gedanken und offener, sachlicher Kritik werden in Zukunft ihren Weg durchs Leben finden und unsere Gesellschaft weiter entwickeln helfen.
Dies ist die Aufgabe für uns als Lehrerkollegium, der wir uns stellen müssen.
Mit der Eröffnung dieser Mittelschule haben wir die einzigartige Möglichkeit, eingefahrene Gleise zu verlassen und uns in diesem altehrwürdigen Gebäude den Erfordernissen eines modernen Zeitalters zu stellen.
Ich wünsche in diesem Sinne allen an der Arbeit an der Seminarschule Auerbach Beteiligten die erforderliche Kraft zur Umsetzung der anstehenden Aufgaben.
Und ich wünsche uns Lehrern den unverklärten Blick auf die Realitäten und die stete Hinwendung zum Positiven.
Das Ergebnis unserer Arbeit, nämlich sich im Leben zurechtfindende Schulabgänger, muss uns Ansporn und Motor in schwierigen Zeiten gleichermaßen sein.
Rainer Lemoine
-Schulleiter-
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Die Aula der Seminarschule gestern und heute. | ![]() |
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