
120 Jahre sind an der Bausubstanz der Bildungseinrichtung nicht spurlos vorüber gegangen, wie die schwierige Bestandsaufnahme zu Baubeginn ergab. Große Teile der Holz-Fachwerkkonstruktion der Außenwände im Obergeschoss - beidseitig verputzt - waren im Laufe der Zeit verfault und Ursache für zahlreiche Risse und Schwammausblühungen im Mauerwerk. Den wohl wesentlichen Eingriff in die Bausubstanz stellte das als Ersatz für das statisch nicht mehr intakte Sprengwerk der Dachkonstruktion geplante System von Ringanker, Zugbändern und stabilisierenden Deckenscheiben aus Stahlbeton in Verbindung mit Stuhlrahmen aus Holz dar.
Auch die Kellergewölbe und große Teile des Innenputzes waren durch Feuchtigkeit und mechanische Beschädigungen irreparabel geschädigt und mussten somit erneuert werden. Im Ergebnis der Holzbegutachtung wurden die vorhandenen Holzbalkendecken großflächigsaniert sowie die überwiegend noch von 1877/78 stammenden Fenstern und Türen erneuert.
Entfernt werden mussten auch sämtliche haustechnischen Installationen. Für die neuen elektronischen Anlagen wurden ca. 20 Kilometer Kabel und Leitungen verlegt. Eine moderne Beleuchtungsanlage mit ca. 600 Leuchten, die sich außenlichtgesteuert schalten lassen, sorgt für optimale Lichtverhältnisse im Schulgebäude, garantiert aber auch einen sparsamen Energieverbrauch. Erwähnenswert sind auch die neue Beschallungsanlage mit Pausensignal, die moderne PC-Vernetzung für Computerkabinette und Fachunterrichtsräume sowie die Brandmeldeanlage.
Besonderes Augenmerk galt den aus der Sicht des Denkmalschutzes hochwertige Bereich Dach und Fassade sowie Aula und Foyer. Der nach den Plänen des Bezirksbaumeisters Waldow im spätklassizistischen Stil errichteten Baukörper wird in einer Vielzahl gliedernder historisierender Fassadenelemente aus Granit bzw. Sandstein geprägt. Zahlreiche Gesimse, Gewände und Stilornamente mussten erneuert werden, da sie entweder stark verwittert waren oder ganz fehlten. Die Fassadenrestaurierungsarbeiten beliefen sich auf fast eine Million DM. Weitere denkmalpflegerische Schwerpunkte stellen die Aula und das Foyer dar.
Die Aula wurde nach restauratorischen Gesichtspunkten saniert und erhielt eine festliche, stimmungsvolle Gestaltung, die zusammen mit der modernen Bestuhlung den optischen Rahmen für schulische Veranstaltungen bietet. Im Foyer wurden die in der Vergangenheit vorgenommenen Rückbauten von Gesimsen und Stuckelementen durch kunstvolle Ausmalungen stilgerecht nachempfunden. Eine moderne Gasheizung mit Flachheizkörpern und Einzelraumregulierung ermöglicht eine stundenplanorientierte Heizung und somit optimalen Erdgasverbrauch. Durch den Abriss des bisherigen monströsen Schornsteins ergab sich die Möglichkeit für den Einbau eines behindertengerechten Fahrstuhls. In Verbindung mit den schwellenlosen Fußböden ist die Schule nun auch für Behinderte bestens geeignet. Jedes Stockwerk erhielt eine andere Farbgebung. Im Sockelgeschoss sind der Speisesaal, die Lehrküche und Werkräume, im Erdgeschoss die naturwissenschaftlichen Fachkabinette untergebracht. Die Aula, der schulische Verwaltungsbereich mit Schulleitung und Lehrerzimmern sowie die Klassenzimmer befinden sich im 1. Obergeschoss. Das zweite Obergeschoss beherbergt die Informatik und die Fachkabinette für das musische Profil. Bei der Einrichtung der Fachkabinette wurde auf guterhaltene Unterrichtsmöbel der beiden Vorgängerschulen zurückgegriffen. Die Sanierung und der Umbau des historischen Schulgebäudes zu einer der modernsten 3-zügigen Mittelschulen unseres Freistaates erfolgte mit einem Gesamtkostenaufwand von 18,2 Millionen DM. Über die Schulbauförderung erhielt die Stadt 5,8 Millionen DM und 233 Tausend DM für die denkmalschützerischen Arbeiten über Fördermittel des Denkmalschutzes. Zu einer Schule gehören aber auch Sportanlagen. Unmittelbar im Anschluss an den Bau des Schulgebäudes 1887 errichtete man auf der Stützmauer zum Thrändorfweg eine Turnhalle im Baustil des Schulgebäudes, welche bis zur Beendigung des Schulbetriebes 1996 ausschließlich für den Schulsport genutzt wurde. Da diese Turnhalle wegen der maroden baulichen Beschaffenheit nicht mehr zu sanieren war, erfolgte der Neubau einer Schulsporthalle mit 2 Übungs- und Feldeinheiten nach Abriss der alten Turnhalle. Sie wurde als Stahlkonstruktion mit Außenwänden aus Porenbetonelementen errichtet und stellt in ihrer modernen Gestaltung und ihren Maßen von 44 m Länge und 22 m Breite einen echten und gewollten Kontrast zum historischen Schulbau dar. Mit der Fertigstellung dieser größten Turnhalle unserer Stadt schon 1999 haben sich hervorragende Möglichkeiten für den Schul-, Leistungs- und Breitensport ergeben. Das weiträumige, parkähnliche Schulgrundstück mit reichem Baumbestand wurde in Ordnung gebracht und enthält nun neben dem Pausenhof auch Flächen und Außenanlagen für den Schulsport. Die Ende der Siebziger Jahre im Schulgelände errichtete zweite Turnhalle wurde ebenfalls instand gesetzt und steht ebenfalls für den Schul- und Vereinssport zur Verfügung.